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Jura Slam

Der Deutsche Anwaltverein (DAV) veranstaltet im Jahr 2019 bereits zum vierten Mal in Folge einen Jura-Slam. Bei diesem messen sich Nachwuchsjuristinnen und -juristen (Studierende, Wissenschaftliche Mitarbeiter, Referendare und Anwälte bis 40 Jahre) im Rahmen eines zehnminütigen, selbstgeschriebenen Slams und präsentieren ihr Thema dabei nachvollziehbar, unterhaltsam und mit Humor. Ziel ist es, die anregende Vermittlung juristischer Inhalte zu fördern. Der Vortragende soll nicht nur zeigen, dass er sich mit seiner Materie auskennt, sondern auch das Publikum überzeugen.

Bericht des Kölner Vorentscheids

Wenn man Clarence Seward Darrow (1857-1938) Glauben schenken darf, steckt in jedem Juristen das Wrack eines Poeten. Wie der Kölner Vorentscheid des DAV Jura-Slams 2019 zeigte, kann Darrow damit nicht allzu falsch gelegen haben. Am 10.10.2019 stellten 8 junge Juristinnen und Juristen ihr kreatives Talent unter Beweis und unterhielten etwa 80 Zuschauerinnen und Zuschauer, die das damit bis auf den letzten Platz ausgelastete AStA-Café der Universität zu Köln für den Wettbewerb besucht hatten.

Herr Dr. Julius vom Institut für Strafrecht und Strafprozessrecht übernahm die Moderation des Abends und geleitete das Publikum mit Witz und Charme durch den Abend. Gleich zu Beginn entlarvte er die Selbstinszenierung während eines Vortrags mit einem Augenzwinkern als eine zweifellos erforderliche Kernkompetenz im juristischen Berufsalltag. Frau Dr. Kaulbach hieß das Publikum im Namen des Kompetenzzentrums für juristisches Lernen und Lehren (KjLL) herzlich willkommen und betonte dabei den positiven Lerneffekt, der aus der Verknüpfung der Sachmaterie mit Spaß und Unterhaltung folge. Der Deutsche Anwaltverein (DAV) wurde durch Frau Bednarz-Kuhn und Herrn Dr. Prutsch vertreten, die die Anwesenden auch im Namen von Frau Kindermann, der Präsidentin des DAV, begrüßten.

Den ersten Vortrag des Abends hielt Sonja Becker, die sich in einem bewegenden Text mit ihrem „Examenstrauma“ auseinandersetzte. Sie sprach von dem unter Jura-Studierenden verbreiteten Stillstand des Privatlebens während der Examensvorbereitung und rief dazu auf, auch aus Fehlschlägen beim Kampf um das Bestehen Stärke zu schöpfen und „seine Fehler offen wie Diamanten zu tragen“.

Tina May hüllte einen universitären Skandal in juristische Wortgewitztheit: Sie berichtete in berührender Weise von einer mündlich verabredeten Nebentätigkeit, deren Bezahlung nie erfolgte und legte dabei all die Unsicherheiten offen, die einem trotz des Jurastudiums begegnen können.

Leah Leaf gab ein Stück juristischer Liebeslyrik zum Besten. In ihrem ersten Gedicht „Trennungsprinzip“ beschrieb sie mit schillerndem Ausdruck eine Trennung im Format des kaufrechtlichen Mängelgewährleistungsrechts und verzauberte damit das Publikum. Ihr zweites Gedicht prüfte im Stil des Strafrechts und im Auftrag der Liebe den Herzensdiebstahl am Prüfungsschema des § 242 I StGB. Das beeindruckte Publikum honorierte die beiden Gedichte mit dem zweiten Platz des Wettbewerbs.

Als „Professor Dingsbums“ referierte Konstantin Hartwig über die Akzessorietät der Sicherungsrechte. Er berichtete von der Lebens- und Liebesgeschichte von Frank Forderung und Heidi Hypothek und nahm das sich vor Lachen krümmende Publikum mit auf eine unterhaltsame Reise durch die Spezifika des Immobiliarsachen- und Kreditsicherungsrechts. Er erzielte damit den ersten Platz des Kölner Vorentscheids und qualifizierte sich für das Finale des Jura-Slams am 26.11.2019 in Berlin.

Ruben Dillmann präsentierte einen philosophischen Text über seine Beobachtungen der Entwicklung des juristischen Lernens, die er pflichtbewusst zu später Stunde im Hauptseminar der Kölner Universität gewonnen hatte. Er kritisierte dabei den modernen Repetitorien-Skripte-Lernstress-Apparat und plädierte dafür, den Blick wieder auf das Wissenschaftliche und das Recht als solches zu richten.

Viktoria Labus gewährte einen Einblick in die großen Träume junger Studierender, die eines Tages zu Weltrettern werden wollen und feststellen müssen, dass die Realität ernüchternd sein kann. Ihre eigene Motivation, sich nicht entmutigen zu lassen, zog sie aus den kleinsten und damit wichtigsten Dingen des Alltags – und sei es nur ein wohltuendes Gespräch am elterlichen Esstisch.

Lukas Sieper nutze die Bühne des Jura-Slams für einen flammenden Aufruf für die Demokratie. Er führte dem Publikum die sinkende Wahlbeteiligung an deutschen Universitäten vor Augen und erinnerte daran, dass jede und jeder Einzelne etwas bewegen kann, indem das Privileg der Wahl wahrgenommen wird.

Der letzte Vortrag des Abends stammte von Jörg Pietschmann, der in einem satirischen Text die Parallele zwischen dem Zustandekommen eines Vertragsschlusses und dem ersten Kennenlernen zweier Liebender in einem Kölner Nachtclub aufzeigte. Mit diesem unterhaltsamen Slam bildete er den Abschluss der Vortragsreihe und sicherte sich den dritten Platz des Wettbewerbs.

Das Kompetenzzentrum für juristisches Lernen und Lehren und die Fachschaft Jura bedanken sich herzlich bei allen Beteiligten für die Unterstützung, bei Cologne LEXperience für die Buchgeschenke und der AStA-Bar für die Sicherung des leiblichen Wohls und freuen sich auf den nächsten Jura-Slam!

Das Finale in Berlin

Die Gewinnerin oder der Gewinner des Vorentscheids reist am 26.11.2019 kostenlos nach Berlin zum Finale des 4. Juraslams des DAV. Dort wird derselbe Text erneut gelesen, um sich gegen die 4 Konkurrenten aus Dresden, Freiburg, Hannover und Münster durchzusetzen und Preisgelder im Gesamtwert von 1.000€ (1. Platz: 500€, 2. Platz: 300€, 3. Platz: 200€) zu gewinnen.

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