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Reflexive Praxis

Reflexion über das eigene Wirken in der Rolle als Rechtsanwender ist weder regelmäßiger Gegenstand rechtswissenschaftlicher Diskurse noch Bestandteil der juristischen Ausbildungs- und Berufspraxis. KjLL-Mitarbeiter Jens Prömse geht jedoch davon aus, dass eine gezielte, langfristige Reflexion zu (noch) besserer Rechtsanwendung führt. Daher untersuchte er im Rahmen seines Promotionsvorhabens, warum eigentlich Juristen nicht systematisch reflektieren, warum dem nicht so sein sollte und wie Juristen sowie all diejenigen, die Juristen werden möchten, dies ändern können.

Die Erkenntnisse aus seiner Forschung setzte er erstmals im Sommersemester 2016 in ein neuartiges Lehrveranstaltungskonzept um. Seine Veranstaltung »Eine reflexive Praxis für (angehende) Juristen« richtete sich an Studierende, die die Zwischenprüfung bereits absolviert hatten und diente zur Ergänzung der Examensvorbereitung im Rahmen des Großen Examenskurses. Gemeinsam mit den Teilnehmern wurde im Verlauf von sieben Sitzungen kritisch über die Tätigkeit der praktischen Rechtsanwendung nachgedacht. Ihnen wurden unkonventionelle, doch zur Reflexion geeignete und erforderliche Sicht- und Denkweisen vorgeschlagen. Ferner wurde der Umgang mit einem Reflexionsmedium eingeübt und schließlich über die Erkenntnisse aus der reflexiven Praxis diskutiert.

“Nahziel“ der Veranstaltung war es, die Vorbereitung und Absolvierung der Staatsprüfung zu erleichtern. Doch weitergehendes und eigentliches Motiv der reflexiven Praxis ist es, die Kandidaten in die Lage zu versetzen, unabhängig von dem Streben nach guten Examensnoten  gute Juristen zu werden.

Im Wintersemester 2016/17 bot Jens Prömse daneben eine entsprechende Veranstaltung für jüngere Semester  an, welche den Titel »Eine reflexive Praxis für Studierende« trug. Die Resonanz der Teilnehmer beider Typen von Veranstaltungen lässt hoffen, dass sie die ihnen an die Hand gegebenen Möglichkeiten, sich regelmäßig, systematisch und gewinnbringend mit ihrem juristischem Studium und der juristischen Tätigkeit auseinanderzusetzen, weiter nutzen werden. Im Idealfall resultiert hieraus eine persönliche Übung, von der die zukünftigen Juristen ihr Berufsleben lang profitieren werden.

Auf den Erfolgen von Jens Prömse aufbauend, werden er und andere Mitarbeiter des KjLL Methoden reflexiver Praxis in weiteren Lehrveranstaltungen fortentwickeln und erproben sowie mit individuellen Beratungsangeboten flankieren.