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Abriss des Tagungsverlaufs

Die Bedeutung neuer Medien für das Studium kann nicht ohne ihre real bereits wahrnehmbaren und ihre zu erwartenden Auswirkungen auf Rechtsinhalte und Rechtspraxis eingeschätzt werden. Das war die Grundüberzeugung der Veranstalter und Veranstalterinnen der Tagung. Dementsprechend war ihnen die Frage wichtig, ob und in welchem Maße die Digitalisierung auf praxisrelevante Bereiche des Rechts einwirkt oder einzuwirken geeignet ist.

In der Tat beleuchteten verschiedene Beiträge die zunehmende Relevanz neuer Medien eindrucksvoll. Ausgewiesene Kenner der Materie lenkten den Blick der Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf schon vorhandene, zunehmende Einflüsse der Digitalisierung auf den Wandel des Rechts und der Rechtsanwendung sowie prognostizierbare weitere Entwicklungen.

Als Stichworte dazu seien herausgegriffen die Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten von bislang fast chancenlosen "single players" in Massenverfahren durch Zusammenschlüsse über das Internet (Prof. Dr. Stephan Breidenbach), eine mögliche Vereinheitlichung der Rechtspraxis durch Rückgriff auf standardisierte Textbausteine sowie Veränderungen im Wissensmanagement (Markus Hartung und Jörg Schick), Automatisierung der Rechtsberatung und die sich damit wandelnde Rolle des Anwalts (Markus Hartung und Dr. Rüdiger Theiselmann), bereits gesetzlich eröffnete Wege zu virtuellen Zusammenkünften im Gesellschaftsrecht (Prof. Dr. Ulrich Noack) und demnächst zu erwartende in Prozessordnungen (Prof. Dr. Matthias Weller). Mehrfach kam zur Sprache, dass die Digitalisierung eine stärkere Visualisierung von Inhalten erzwinge, was der Durchdringung des Rechtssujets in Praxis und Ausbildung ebenso zugute komme wie der Präzision der Argumentation (Markus Hartung und Prof. Dr. Matthias Weller).

Dass die Lehre sich diesen Entwicklungen nicht verschließen darf, war ganz überwiegende Ansicht der Teilnehmer, ebenso aber, dass sie ihnen tatsächlich hinterherhinkt. Kaum jemand, der Frau Professor Dauner-Liebs eingangs geäußertes Bedauern über die Verödung der Lerninhalte ("Anspruch entstanden - Anspruch untergegangen...") und das Abprüfen von viel zuviel Wissen und zu wenig Kompetenzen nicht geteilt hätte. Wie man zumindest punktuell gegensteuern kann, zeigten Beispiele gelungener Einbeziehung digitaler Lehrmittel (Prof. Dr. Christian von Coelln, Prof. Dr. Klaus Peter Berger, Prof. Dr. Ulrich Noack, PD Dr. Heike Zimmermann-Timm und Posterpräsentation). Mehrfach wurde auch der Überlegung Ausdruck gegeben, ob neue Medien in Zukunft nicht nur Mittel, sondern womöglich sogar Gegenstand einer gelungenen Ausbildung sein müssten.

Welche Perspektiven die Digitalisierung im Studium des Rechts darüber hinaus eröffnen könnte, ob und wie man damit Schritte hin zu mehr Präzision und intellektueller Durchdringung gehen könnte, war Gegenstand (nicht nur) des Schlussvortrags (Prof. Dr. Ulla Gläßer). Er zeigte, wie bereichernd neue Ideen in der Lehre sein können, und dass der unbestreitbare Aufwand, den ihre Umsetzung zunächst erfordert, in der Regel reiche Zinsen bringt.

In die Tagung fügte sich die Verleihung des Ars Legendi-Preises 2016 für exzellente Lehre in der Rechtswissenschaft mit einem Vortrag (Prof. Dr. Julian Krüper) zur Mediendidaktik als Baustein juristischer Fachdidaktik nahtlos ein.

"Vorträge und Diskussionen haben mir viel zu Denken mitgegeben. Aber ich gehe mit mehr neuen Fragen als Antworten nach Hause" - diesen Stoßseufzer einer jungen Hochschullehrerin beim abschließenden Imbiss hörten die Veranstalter nicht ungern. Wenn er - wie es scheint - das Résumé einer großen Mehrzahl von Teilnehmern widerspiegelt, hat die Tagung ihr Ziel erreicht: den wissenschaftlichen Diskurs über die Digitalisierung im rechtswissenschaftlichen Studium endlich anzustoßen.

Fotos: A. Saldavs, Ö. Tahan, B. Zierlein